Perspektiven eröffnen, Bildungskarrieren ermöglichen

DAAD/Wolfgang Hübner-Stauf

Anerkennung für außergewöhnliche Arbeit: DAAD-Generalsekretärin Dorothea Rüland mit Simon Natterer und Luisa Hafner von der studentischen Initiative IPAS der Universität Koblenz-Landau und Iryna Shalaginova, Leiterin des Referats für Internationale Zusammenarbeit der Universität, sowie Ronald Münch, Leiter der Arbeitseinheit „Deutsche Wissenschafts- und Innovationshäuser, Forschungspolitik“ im Auswärtigen Amt

Der Umgang mit Flüchtlingen an deutschen Hochschulen war zentrales Thema der diesjährigen Tagung der Leiterinnen und Leiter der Akademischen Auslandsämter und der Auslandsbeauftragten der deutschen Hochschulen. Auf Einladung des DAAD trafen sich Mitte November in Bonn gut 350 Hochschulangehörige zum fachlichen Austausch über die Internationalisierung der Hochschulen.

„Es ist wichtig, dass wir im Hochschulbereich ein kohärentes System installieren, das die vier Phasen des Studienzyklus' – Einstieg, Vorbereitung, Mentoring und Begleitung – sowie den erfolgreichen Übergang in den Arbeitsmarkt abdeckt“, sagte DAAD-Generalsekretärin Dr. Dorothea Rüland zum Auftakt der Diskussionsrunde über den „Umgang mit Flüchtlingen an deutschen Hochschulen“. Wie viele Flüchtlinge in Deutschland studieren wollen, lässt sich derzeit nur hochrechnen und abschätzen. Nach Rücksprache mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) geht der DAAD laut Dr. Christian Thimme, Leiter des Bereichs „Grundsatzfragen Projekte und Internationalisierung der deutschen Hochschulen“, von etwa 30.000 bis 50.000 zusätzlichen studierfähigen Flüchtlingen aus, die zeitversetzt an die Hochschulen kommen werden. Das sei eine enorme Herausforderung für die Akademischen Auslandsämter und International Offices, sagte Thimme. 

Wie stellt sich die Situation aus Sicht der Hochschulen dar? Wo gibt es Probleme? Welche Lösungen bieten sich an? Diese Fragen diskutierte der DAAD auf der Leitertagung mit den Internationalisierungsexperten der Hochschulen. Neben einer Aufstockung des studienvorbereitenden Angebots einschließlich eines Ausbaus der dafür notwendigen Infrastruktur kamen die Themen BAföG, Anerkennung von Studienleistungen, Aufklärung über das duale Bildungssystem, zulassungsbeschränkte Studiengänge und fehlender Wohnraum für die Studierenden zur Sprache. Christian Müller, Leiter der Abteilung Strategie des DAAD, hatte eingangs verdeutlicht, welche Leitlinien für den Umgang mit Flüchtlingen an deutschen Hochschulen gelten müssen: „Wir dürfen die Flüchtlingsfrage nicht gegen die Internationalisierung der Hochschulen ausspielen.“ Und: „Wir dürfen bei den Qualitätsanforderungen keine Abstriche machen.“

Erfolgsfaktor Internationalisierung

Das Thema Zuwachs an Qualität an den Hochschulen durch Internationalisierung hatte die Leiterinnen und Leiter der Akademischen Auslandsämter und International Offices während des Eröffnungspodiums beschäftigt. Und zuvor hatte Bert Verveld, Präsident der Amsterdam School of the Arts, in seinem Vortrag „Change Management an der Hochschule“ einen Überblick über vier Jahrzehnte Internationalisierungsstrategie am Beispiel der Universität Groningen gegeben. Verveld bezog sich in seiner Präsentation zwar ausdrücklich auf die Niederlande, dennoch traf seine Skizze der Entwicklung von Organisationsformen des Bereichs Internationales an Hochschulen den Nerv der Teilnehmer.

Welche Strukturen für eine erfolgreiche Internationalisierung notwendig sind, diskutierte im Anschluss Dr. Anette Pieper, Leiterin der Abteilung Projekte des DAAD, mit Verveld, Professor Bernd Kracke, Präsident der Hochschule für Gestaltung (HfG) Offenbach, Dr. Uwe Muuss, Leiter der Abteilung „Göttingen International“ an der Universität Göttingen, und Courtney Peltzer-Hönicke, Leiterin der Abteilung Internationales an der Universität Hamburg. Die Vertreter der unterschiedlichen Hochschultypen stellten ihre jeweiligen Antworten vor: Während sich die Universität Göttingen im Hinblick auf Internationalisierung durch starke Zentralisierung auszeichnet, setzt die Universität Hamburg auf eine Hybridform, die neben einer starken zentralen Struktur zusätzlich dezentrale Elemente beinhaltet. An der Amsterdam School of Arts wird Internationalisierung weitgehend dezentral umgesetzt, während an der HfG Offenbach die Positionierung noch nicht abgeschlossen ist.

Die Verleihung des Preises des Auswärtigen Amtes für exzellente Betreuung ausländischer Studierender an deutschen Hochschulen 2015 (siehe Info-Kasten) und die Vertiefung einzelner Aspekte der Internationalisierung an Hochschulen standen ebenfalls auf dem Tagungsprogramm. Auf besonderes Interesse stieß die Arbeitsgruppe „Flüchtlinge mit akademischem Hintergrund: Potenzial oder Herausforderung?“. Hier referierte unter anderen André Nollmann, Leiter des International Office der Hochschule Magdeburg-Stendal. Die dortige Initiative „Integration von politischen Flüchtlingen mit akademischen Hintergründen bzw. Ambitionen“ gilt als modellhaft, weil es sich um eines der ersten Gesamtpakete bundesweit handelt, das zum Studienabschluss führt. „Seit Sommer 2015 studieren bei uns 50 Flüchtlinge“, sagt Nollmann. „Es gab bei der Auswahl keine Sonderbehandlung oder Erleichterungen hinsichtlich der Qualität.“ Bei unvollständiger Aktenlage mussten Zugangsprüfungen abgelegt werden. Vorbereitende Deutschkurse an der Sommerschule, ein Buddy-Programm und ein runder Tisch, an dem sich die beteiligten Dozenten, Studierenden und Flüchtlinge regelmäßig austauschen können, ergänzen das Verfahren. Die Landesregierung Sachsen-Anhalt verlieh der Hochschule Magdeburg-Stendal dafür am 11. November den Landesintegrationspreis 2015 in der Kategorie „Bildung, Ausbildung und Arbeit – Schlüssel erfolgreicher Integration“.

Claudia Wallendorf (18. November 2015)

Weiterführende Informationen

Studentische Initiative an der Universität Koblenz-Landau ausgezeichnet

Der Preis des Auswärtigen Amtes für exzellente Betreuung ausländischer Studierender in Deutschland geht 2015 an die studentische Initiative IPAS – Integratives Projekt für ausländische Studierende am Campus Landau der Universität Koblenz-Landau. Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert. Die Auswahl der Preisträger übernimmt der DAAD.

IPAS wurde 2002 von ausländischen und deutschen Studierenden in Landau gegründet. Die Initiative unterstützt das Akademische Auslandsamt bei der Betreuung der ausländischen Studierenden und bietet für den gesamten Studienzyklus eine Reihe integrativer Maßnahmen für internationale und deutsche Studierende an, bei denen die interkulturelle Dimension im Fokus steht. In der Begründung für die Preisverleihung wird die gute Vernetzung der Initiative innerhalb und außerhalb der Universität hervorgehoben. Außerdem zeichne sie sich „durch ein vorbildliches ehrenamtliches Engagement im Bereich der Vermittlung sprachlicher und interkultureller Kompetenzen aus, wobei die freiwillig engagierten Studierenden durch ein umfassendes Train-the-trainer-Konzept auf ihre Aufgaben vorbereitet werden“.

DAAD-Generalsekretärin Dorothea Rüland und Ronald Münch, Leiter der Arbeitseinheit „Deutsche Wissenschafts- und Innovationshäuser, Forschungspolitik“ im Auswärtigen Amt überreichten den Preis im Rahmen der Tagung der Leiterinnen und Leiter der Akademischen Auslandsämter und International Offices im Wissenschaftszentrum Bonn.