Vielfältige Unterstützung für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Ukraine

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Schätzungen zufolge könnten aufgrund des Krieges bis zu 100.000 Studierende und Forschende aus der Ukraine an die deutschen Hochschulen kommen. Um der wachsenden Zahl der Geflüchteten zu helfen, ihr Studium oder ihre akademische Laufbahn fortzusetzen, baut der DAAD in enger Kooperation mit den Hochschulen sein Angebot an Aktivitäten und Programmen stetig aus.

Seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine sind 6,5 Millionen Bürgerinnen und Bürger aus dem Land geflohen, darunter auch viele Studierende und Forschende. Nach Expertenschätzungen könnten im Laufe dieses Jahres bis zu 100.000 von ihnen aus der Ukraine nach Deutschland kommen, auch aus Drittländern. Doch um an deutschen Hochschulen studieren oder forschen zu können, müssen sie gewisse Voraussetzungen erfüllen. Neben dem Erwerb von Sprachkenntnissen ist unter Umständen der Besuch eines Studienkollegs nötig. 

Einen umfassenden Überblick über die Situation der ukrainischen Hochschulen, der geflüchteten Studierenden sowie über laufende und geplante Maßnahmen zu ihrer Unterstützung vermittelte die Internationale DAAD Akademie (iDA) Anfang Juni 2022 in einer Fortbildung, die sich an Beraterinnen und Berater von Geflüchteten, aber auch an alle anderen an der Thematik interessierten Vertreterinnen und Vertreter deutscher Hochschulen richtete. Im Mittelpunkt stand dabei die „Nationale Akademische Kontaktstelle Ukraine“, die der DAAD als zentralen Kontakt- und Wissensknotenpunkt für die Betroffenen und für die deutschen Hochschulen und Wissenschaftsorganisationen gleichermaßen betreibt. Die Initiative ist eine Kooperation mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung, der Kultusministerkonferenz, den Wissenschaftsministerien der Länder sowie der Allianz der Wissenschaftsorganisationen. „Die Kontaktstelle soll vorrangig ukrainischen Studierenden, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern als erste Orientierung im Hochschulsystem Deutschlands dienen“, sagt Dr. Ursula Paintner, Direktorin Kommunikation beim DAAD. „Denn je eher die Betroffenen Fragen etwa zu Zugangsvoraussetzungen, aber auch zu Fördermöglichkeiten oder zum Aufenthaltsrecht klären können, desto früher können sie ihre wissenschaftliche Arbeit oder ihr Studium in Sicherheit fortsetzen.“ 

„Für nachhaltige Mobilität jetzt die richtigen Weichen stellen“

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Dr. Ursula Paintner ist Direktorin Kommunikation beim DAAD.

Informationsbörse und Anlaufstelle für Beratungen
Die dreisprachige Website der Kontaktstelle ist der Dreh- und Angelpunkt zur Informationsvermittlung. Das Portal, das seit seinem Start am 11. April 2022 durchschnittlich rund 3.000 Seitenaufrufe täglich verzeichnet, bündelt erste Informationen über Aufenthalt, Leben, Studium und Forschung in Deutschland. Die Kontaktstelle informiert zudem über neueste Initiativen und Programme des DAAD, die für Betroffene attraktiv sind, zum Beispiel Stipendien für geflüchtete Studierende in Masterstudiengängen. Oder die virtuelle Messe „Research in Germany“ am 23. Juni 2022, die ausländische Promovierende mit deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Kontakt bringt. Ergänzend werden zudem Unterstützungsangebote und Informationen von Hochschulen, Stiftungen und weiteren wissenschaftlichen und wissenschaftsnahen Einrichtungen präsentiert. 

Im Rahmen der Ukraine-Kontaktstelle bietet der DAAD außerdem individuelle Beratungen an, die zwar die Beratung durch die Hochschulen nicht ersetzen können oder sollen, in denen sich aber häufig die drängendsten Fragen klären lassen. Etwa die, ob und unter welchen Voraussetzungen ein in der Ukraine begonnenes Medizinstudium in Deutschland fortgesetzt werden kann. Oder was zu tun ist, wenn für Studienleistungen, die in der Ukraine erbracht wurden, die Nachweise fehlen. „Seit dem Launch der Website haben wir bereits über 2.000 Interessentinnen und Interessenten beraten, mehr als die Hälfte davon ukrainische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger, weitere 35 Prozent aus Drittstaaten, denn der Krieg betrifft auch viele Menschen, die dort studieren, aber nicht die ukrainische Staatsbürgerschaft haben“, sagt Ursula Paintner. „Diese Zahlen zeigen, wie groß das Bedürfnis nach Informationen ist – und wie notwendig unsere Unterstützung angesichts der Lage.“

Parallel zum Aufbau der Nationalen Akademischen Kontaktstelle Ukraine richtete der DAAD Ende Februar auch zwei E-Mail-Funktionsadressen ein (ukraine@daad.de und russland@daad.de), damit Anfragen der deutschen Hochschulen gezielt gebündelt und beantwortet werden können. „Seither haben uns bereits weit über 100 Fragen zu Kooperationsförderungen, Angeboten für die geflüchteten Studierenden, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Anfragen von Partnerorganisationen erreicht“, sagt Stephanie Knobloch, Expertin des DAAD-Kompetenzzentrums Internationale Wissenschaftskooperationen (KIWi), das für die Beantwortung dieser Anfragen zuständig ist. KIWi unterstützt deutsche Hochschulen bei der Anbahnung, Durchführung und Intensivierung ihrer internationalen Aktivitäten mit individueller Beratung, vernetzter Expertise und Impulsen für den außenwissenschaftspolitischen Diskurs. „Angesichts der dynamischen Entwicklung wurden Online-Dialogformate wie die ‚KIWi Policy Talks‘ und die ‚KIWi Connect‘-Expertenrunden stark nachgefragt, um über Folgen für die Wissenschaftskooperationen in der Ukraine und Russland zu diskutieren. Hier werden noch einige Foren folgen“, kündigt Knobloch an.

Vielfältige Unterstützung für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Ukraine

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Stephanie Knobloch ist Expertin des DAAD-Kompetenzzentrums Internationale Wissenschaftskooperationen (KIWi).

Ausbau von Förderprogrammen mit Blick auf Ukraine-Betroffene
Zu weiteren Maßnahmen des DAAD zählt die Neuausschreibung von Förderprogrammen mit Ukraine-Bezug wie zum Beispiel „Ukraine digital“, das auf die Durchführung digitaler Lehrangebote zielt. Der Hintergrund: Der Krieg beeinträchtigt in hohem Maße die Infrastruktur des ukrainischen Bildungs- und Hochschulsystems. Viele Lehrende, Forschende und Studierende sind auf der Flucht, in den besonders umkämpften Städten und Gebieten sind oftmals Gebäude beschädigt oder zerstört. Im Rahmen des Förderprogramms sollen deutsche Hochschulen ihre ukrainischen Hochschulpartner dabei unterstützen, digitale Angebote aufrechtzuerhalten. Auf diese Weise erhalten Studierende – zurzeit sind 1.142.000 an den ukrainischen Universitäten eingeschrieben – sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in und aus der Ukraine trotz der Einschränkungen durch den Krieg Perspektiven für die Fortführung ihrer akademischen Laufbahn. Hinzu kommt, dass die Digitalisierung generell zur Internationalisierung der ukrainischen Hochschulen und zu ihrer Integration in den Europäischen Hochschul- und Forschungsraum beiträgt. 

Frank Giese (21. Juni 2022)

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